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Interview mit Hans-Werner Niesner

geschrieben am: Sonntag, den 22. August 2010 um 00:00 Uhr | Kategorie: Praxisprojekte

Hans-Peter NiesnerIn der Lehrveranstaltung „Sport und Medien“ dieses Sommersemesters führte ich telefonisch ein Interview mit ihm – jetzt lernte ich Hans-Werner Niesner, den deutschen Badmintonprofi persönlich kennen. Und das ausgerechnet im wunderschönen Österreich. Während die Badminton-WM in Paris ihren Lauf nimmt, trainiert der „Badmintonpapst“ die Jugend aus Österreich.

 

 

Am Samstag startete sein Camp für Nachwuchsspieler in der Südoststeiermark. Montagabend nahm er sich Zeit für ein Treffen mit mir im Café Central in Fürstenfeld.

Herr Niesner, freut mich dass Sie sich die Zeit genommen haben. Wie war Ihr Tag?

Hallo, mein Tag war sehr gut. Heute war Regenerationstag. Das heißt es war nur am Vormittag Training und am Nachmittag fuhren wir in die Therme Loipersdorf, was von hier aus nur ein Katzensprung ist.

Wie gefällt es Ihnen hier?

Mir gefällt Österreich sehr gut. Vor allem diese Gegend besuche ich gerne. Es ist so schön ruhig und man kann total entspannen. Ein Hobby von mir ist der Besuch von Thermen, was hier ideal möglich ist.

Woher kommen die Teilnehmer/innen?

Die Teilnehmer/innen sind alle aus örtlichen Badmintonvereinen und stammen aus der Südoststeiermark. Aber es kommt auch vor dass Teilnehmer/innen aus dem ganzen Land anreisen.

Wie groß ist denn Ihre Trainingsgruppe?

Dieses Jahr sind es 18 Personen, wobei das immer unterschiedlich ist. Es waren auch schon einmal 24 Leute. Die Gruppe ist ganz unterschiedlich. Der jüngste Teilnehmer ist 8 Jahre  und die älteste Teilnehmerin ist 28 Jahre alt.

Wie sieht ein Tagesablauf bei Ihnen aus? Wann trainieren Sie?

Wir trainieren 3 Mal täglich. Um 8 Uhr treffen wir uns alle zum gemeinsamen Frühstück. Alle kommen immer pünktlich, das klappt super. Danach wird trainiert – 2 Stunden lang. Nach dem 1. Training folgt das Mittagessen und danach wird wieder trainiert, von 15.00 Uhr – 17.00 Uhr und am Abend nochmals von 19.30 Uhr – 21.30 Uhr.

Wow, dann wird ja eigentlich rund um die Uhr trainiert. Welche Einschränkungen gibt es beim Essen?

Also eine Pizza vor dem Training geht nicht. Badminton ist ein komplizierter Sport und auch die Ernährung dazu ist entsprechend kompliziert. Man braucht einerseits Kohlenhydrate für die Ausdauer und andererseits Eiweiß für die Kraft. Morgens machen es sehr viele richtig und essen Cornflakes. Leider glauben einige der Werbung und schmieren sich fett Nutella aufs Brot. Da müssen die Trainer dann manchmal eingreifen.

Badminton ist ja nach wie vor eine Randsportart. Gibt es eigentlich genug Nachfrage für solche Camps?

Ja, die gibt es eigentlich immer. Entgegen der wirtschaftlichen Trends steigen die Nachfragen für Ferientrainingscamps sogar. Während man früher 4 Wochen auf die Malediven geflogen ist, macht man jetzt nur 2 Wochen Malediven und dann eine Woche ein Trainingscamp, das zur Fortbildung dient.

Haben Sie irgendwann auch Urlaub?

Ich war dieses Jahr im Juli Urlaub auf Mallorca.

Haben Sie dort auch Badminton gespielt?

Nein im Urlaub spiele ich mal nicht Badminton. Da sind dann andere Dinge im Vordergrund. Ich schwimme gerne und dieses Jahr war natürlich die Fußball-WM ganz wichtig. Ich habe das Finale bei uns im Hotel auf Mallorca geschaut und man muss sagen, ich habe es den Spaniern vergönnt. Unsere Jungs haben den 3. Platz belegt, was eine tolle Leistung ist. Das hätte am Anfang niemand gedacht und das passt schon.

Über Fußball möchte ich als Österreicherin jetzt nicht so gerne sprechen…weil das mehr einem Trauerspiel ähnelt. Welche Ziele haben die Teilnehmer/innen in Ihren Camps?

Nimmt man jetzt die breite Mittelschicht (15-17-jährigen) möchten alle in den Leistungsbereich gehen. Die haben dann auch Ihre Ziele und fragen uns Trainer wie ihre Leistungen denn sind.

Also sind die Teilnehmer/innen diszipliniert?

Ja, die sind durchweg diszipliniert. Es haben auch die wenigsten ein Handy dabei. Wir haben gesagt, dass Handys unerwünscht seien und das haben die meisten auch akzeptiert und halten sich daran. Die Trainer sind für Eltern durchgängig erreichbar, sollte irgendetwas sein. Die Hausaufgaben werden auch fast immer erfüllt.

Hausaufgaben…?

Ja, die Badmintonspieler/innen bekommen auch Hausaufgaben. Dabei geht es zum Beispiel um Tipps, die umgesetzt werden müssen. Ein paar haben eine sehr defensive Haltung am Netz, andere müssen ihre mentale Stärke verbessern.

Wie kontrolliert man das nach?

Ich habe als Badmintonspieler natürlich ein besseres Gedächtnis für Bewegung als für Namen und so merke ich mir wie jemand spielt und erkenne diese Person daran wieder. Daran sehe ich eine Verbesserung.

Achso, das heißt die Spieler kommen öfter zu den Camps?

Ja, es gibt einige, vor allem Spieler, die es ernst meinen, welche schon öfter dabei waren und jährlich wiederkommen.

Wie viele Trainer sind in diesem Camp?

Wir sind 5. Ich bin der einzige Deutsche und 4 regionale Trainer. Das ist ein guter Schnitt für diese Gruppe.

Was machen Sie heute noch?

Wir haben um 22.00 Uhr ein Treffen mit dem Trainer, da folgt eine Besprechung.

Vielen lieben Dank Herr Niesner, es hat mich sehr gefreut, dass das mit dem Treffen geklappt hat.

Ja das war eine tolle Idee. Ich wünsche Ihnen alles Gute.

 

Text/ Bild: Kathrin Hirczy