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Sprachliches Tiefseetauchen

geschrieben am: Montag, den 11. Oktober 2010 um 14:01 Uhr | Kategorie: Veranstaltungen

Spanischkurs mit Sebastian (rechts)In den ersten drei Wochen lernen die neuen Studenten im Intensivkurs die Grundlagen der spanischen Sprache. Gemeinsam mit Lehrer Sebastian tauchen die Studenten im Anfängerkurs in den verbalen Urschleim ein.

 

 

Sinah (rechts)

Ich verstehe nur Spanisch – dieses Sprichwort bekommt während unserer ersten Wochen in Palma eine völlig neue Bedeutung. Nach dem Weg fragen, Zigaretten kaufen oder ein einfaches Bier im Pub bestellen: die alltäglichsten Lebenssituationen werden plötzlich zu gigantischen Hürden. OK, das Bier auf Spanisch „cerveza" heißt und man möglichst ein höfliches „por favor" (übersetzt: bitte) einfließen lässt, das ist allgemein bekannt. Ein Satz lässt sich damit leider noch nicht bilden.

Schnelle Hilfe erhoffen wir uns von dem dreiwöchigen intensiven Spanischkurs an der ASCENSO Business- und Medienakademie Mallorca. An fünf Tagen in der Woche werden wir in jeweils fünf Stunden die Grundlagen der spanischen Sprache pauken. Bereits vorab werden wir in zwei Gruppen eingeteilt. Die Fortgeschrittenen behandeln gleich zu Anfang das schwierige Kapitel der spanischen Zeitformen. Der weitaus größere Teil des "Jahrgangs", etwa 80 Prozent, muss ganz von vorn beginnen und sich durch den zähen sprachlichen Urschleim wühlen.

das ErstsemesterDer erste Unterrichtstag ist zugleich auch das erste Studiengangtreffen. 25 Akademie-Küken können sich zum ersten Mal beschnuppern. Die Dezibel-Zahl im Unterrichtsraum ist dementsprechend hoch. Spanischlehrer Sebastian hat alle Mühe sich Gehör zu verschaffen. Doch nach dem dritten ermahnenden "Silencio" hat auch das letzte Schnatterinchen kapiert: Schnabel halten und Zuhören ist jetzt angesagt! Schnell wird klar, nur körperlich anwesend sein und dann nach drei Wochen als Muttersprachler aus dem Spanischkurs stiefeln, ist eine Wunschvorstellung. Die Begrüßungsworte an uns fasst Sebastian noch in vertraute deutsche Worte, dann ist Schluss mit dem gemütlichen Gewohnten. Der Lehrer redet mit uns nur noch auf Spanisch. Selbst fragende Kulleraugen können ihn nicht dazu bewegen, uns jeden Satz ins Deutsche zu übersetzen. "In die Sprache eintauchen" nennt Lehrer Sebastian diese Methode. Dabei geht es nicht darum, von Anfang an alles zu verstehen und ausschließlich trockene Theorie zu büffeln. Vielmehr sollen wir uns erst einmal an den Klang der Sprache gewöhnen und uns Vokabeln selber erschließen. Durch mehrmaliges Wiederholen eines Wortes in einem bestimmten Kontext, gepaart mit Mimik und Gestik, wird die deutsche Bedeutung einer spanischen Vokabel irgendwann eindeutig. Es scheint zu funktionieren. Während in unseren Köpfen am Anfang nur gähnende Leere herrschte, schwirren am Ende der ersten Woche schon etliche Vokabeln, Zahlen und Redewendungen. Selbst einfache Sätze wie "Ich mag verschiedene Arten von Musik. Und höre sie am liebsten im Auto" gehen uns stotternd über die Lippen. Es ist zumindest ein Anfang. Die Aufgaben im Unterricht sind sehr unterschiedlich. Manchmal füllen wir in Einzelarbeit einen Lückentext aus, hin und wieder schließen wir uns zu Paaren zusammen und erstellen kleine Dialoge oder bewerfen Mitschüler mit einer Plüschente. Wer sie fängt, muss eine Frage in Spanisch beantworten und eine neue stellen.

Obwohl die ersten Erfolge hörbar sind, fühle ich mich immer mehr wie ein junges Füllen, das gerade laufen lernt und immer wieder ins Grammatik-Gras plumpst. Bis ich fröhlich frei über die Spanisch-Koppel galoppieren kann, wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Aber immerhin haben wir zwei Jahre Zeit, unsere Sprachkenntnisse zu perfektionieren. Übung macht ja bekanntermaßen den Meister. Ich jedenfalls versuche mein im Unterricht angeeignetes Wissen praktisch anzuwenden. Am liebsten mit dem hübschen Kellner in unserer Lieblingsbar. Jeder hat schließlich eine andere Art sich zu motivieren.

 

Text/ Bilder: Sinah Hoffmann