Semana Santa in Palma
geschrieben am: Freitag, den 09. April 2010 um 19:15 Uhr | Kategorie: Leben in Palma

In Palma de Mallorca lernt man immer wieder etwas Neues kennen. Diesmal ist es eine jahrelange Tradition zu Ostern.
Wer sich über laute Trommelschläge, Orchestermusik und eigenartig kostümierte Menschen wundert, die eher an den Ku-Klux-Klan erinnern, der weiß nun, es ist „SEMANA SANTA“ - die heilige Woche zu Ostern. Jedoch haben diese kostümierten Menschen absolut gar nichts mit dem Ku-Klux-Klan zu tun, sondern es sind „Nazarenos“, was zu Deutsch Büßer bedeutet.

Die Semana Santa beginnt am Palmsonntag, eine Woche vor Ostern. Am Karfreitag gelangt die Zeremonie zu ihrem Höhepunkt. Einen Tag vor Ostern endet sie. Die Tradition der Semana Santa geht auf das 16. Jahrhundert zurück, als die katholische Kirche beschloss, der Bevölkerung die Passion Christi auf leicht verständliche, meist anhand von Bildern, Erzählungen oder zugleich eindrucksvoller Weise, nahe zu bringen. Die bedeutendsten Künstler wurden beauftragt Heiligenfiguren aus Holz anzufertigen, die dann mühevoll, mit wertvollen Seidengewändern bekleidet und mit Blumen beschmückt, vor den Prozessionen getragen wurden.
Man spielte die Leidensgeschichte Christi nach, zunächst in den Kirchen, aber der Publikumsandrang wurde so groß, dass man auf die Straßen und Plätze ausweichen musste.

Die Figurengruppen werden tagsüber, aber auch nachts, durch die Strassen getragen und von eher trauriger Orchestermusik begleitet. Meist sind es Klagelieder der Muttergottes über den Leidensweg ihres Sohnes. Die Marschierenden schweigen - man hört nur ihre Instrumente und ihre „links-rechts“ Schritte, wenn sie koordiniert die Statuen durch die Straßen bewegen. Zahlreiche Bruderschaften ziehen so gemeinsam durch die Stadt und tun Buße.

Die Osterprozessionen sind mehr in Andalusien bekannt und dort auch um einiges voluminöser ausgestattet als in Palma de Mallorca. Aber für jemanden, der so etwas nicht kennt, sind es einige schöne Eindrücke, die man sammeln konnte.
Eine ganz besondere Ehre für die Spanier ist es, die Pasos aus den Kirchen hinauszutragen. Dies sind die großen, erbauten, tischförmigen Konstruktionen, die eine Jesusstatue oder Marienstatue zeigen. Jeder der dabei sein darf fühlt sich sehr geehrt.
Auch wenn zu Ostern Jesus gekreuzigt wurde, bleibt in Spanien die „Virgen Maria“ (Jungfrau Maria) stets das Hauptelement aller Prozessionen.
Der Realismus der Darstellungen hinterließ tatsächlich einen tiefen Eindruck und noch heute organisieren über 50 Laienbruderschaften die Semana Santa in den jeweils einzelnen Städten in Spanien.
Die Bruderschaften marschieren meist barfuss, tragen lange Gewänder und sind mit der typischen Spitzhaube maskiert, was der Anonymität des Bußakts dient. Denn damals wurde es von der Kirche verboten öffentlich um Vergebung zu bitten.
Die „Nazarenos“, die „Penitentes“ und ebenso die „Costaleros“ sind Mitglieder einer „Cofradia“, einer religiösen Bruderschaft, die Statuen tragen, wobei auf einen einzelnen Mann bis zu 100 kg entfallen. Die Mitglieder der Bruderschaften sind sehr stolz auf ihre Teilnahme an der Prozession. Jede Bruderschaft besitzt eigene Gewänder, Farben, Figuren und eigene Embleme, an denen sie erkannt werden. Ihre Hauptaufgabe ist es eine dieser Prozessionen, die zu einem genau bestimmten Zeitpunkt auf einer genau bestimmten Route von ihrer Pfarrkirche aus zur Kathedrale (hier: die Kathedrale: La Seu) und zurück zur Pfarrkirche zieht, was bis zu 8 Stunden dauern kann, minutiös vorzubereiten. Auch die Reihenfolge während der Hauptprozession am Karfreitag hat eine seit 300 Jahren gültige Ordnung. Die jüngeren Bruderschaften gehen am Anfang, die ältesten bilden den Schluss.
Auch einige Studenten der ASCENSO Medienakademie schauten sich das katholische Ereignis an. Einige kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und andere fürchteten sich sogar vor den maskierten Brüdern, da sie so etwas zuvor noch nie gesehen hatten. Es handelt sich hier um einen ritualisierten Bußakt, dessen Ziel die Vergebung der Sünden ist. Jedes Land hat seine eigenen Sitten. So schaurig und vor allem laut es einem zu Beginn auch vorkommen mag, am Ende ist jeder begeistert und vergisst diese jährliche Tradition nicht mehr so schnell. Tradition ist etwas Besonderes und Schönes, denn irgendwo schweißt sie die einzelnen Menschen für eine Weile zusammen…
Text/ Bilder: Joli Büchele



