In den Seilen hängen
geschrieben am: Freitag, den 12. August 2011 um 07:36 Uhr | Kategorie: Leben in Palma
Die ASCENSO-Studentinnen Sinah und Nicole haben das Klettern für sich entdeckt. Doch was leicht aussieht erfordert gewaltige Kraftanstrengung. Ohne ein bisschen Training machen die Muckis auf halber Strecke schlapp.
Es sieht so leicht aus. Schnell und scheinbar mühelos klettern die Sportler an der Bergwand entlang. Jeder Griff ist präzise durchdacht. Selbst dort, wo das bloße Auge nur glatten Stein wahrnimmt, finden die Kletter-Profis Rillen und Risse, an denen sie sich hochziehen. Einige können mit den Fingerkuppen ihren gesamten Körper empor wuchten.
Staunend stehen Nicole und ich vor der Bergwand im "Tramuntana"-Gebirge in der Nähe von Aláro. Wir wollen das auch können. Unbedingt! Akademie-Mitarbeiterin Doris Rämisch ist mit ihren mallorquinischen Freunden jedes Wochenende in den Bergen. Dieses Mal dürfen wir sie zu einem Schnupper-Training begleiten. Natürlich besitzen wir noch keine eigene Ausrüstung.
Doris Rämisch leiht uns ihre Ersatz-Schuhe und einen Kletter-Gurt. Neben einer ausführlichen Einweisung erklärt sie uns auch die spanische Übersetzung diverser Kletter-Gerätschaften. So heißen die speziellen Schuhe auf Spanisch "Gatos", was übersetzt "Katze" heißt. Abwegig ist die Bezeichnung keineswegs. Ähnlich wie Katzenpfoten sind die Schuhe sehr biegsam. Mindestens eine Nummer kleiner als die normale Schuhgröße ist optimal. Die Füße in den Schuhen müssen sich wie ein Halbmond biegen, nur so hat man auch an winzigen Felsvorsprüngen einen optimalen Halt. Nicole schlüpft zuerst in die Kletter-Latschen und ist anfangs gar nicht begeistert. "Bequem sind die nicht", mault meine Lieblings-Kommilitonin.
Doch die ungewohnte Fußstellung wird schnell zur Nebensache. Schnell merken wir, welche enorme Kraftanstrengung sich hinter den scheinbar mühelosen Bewegungsabläufen verbirgt. Zuerst sichert uns Doris Rämisch mit einem Kletterseil. Dieses wird mit einem speziellen Knoten am Gurt befestigt. Dann beginnt der Aufstieg.
An jeder Bergwand ist eine Kletterroute durch dicke Metallösen gekennzeichnet. Dort wird das Kletterseil durchgeführt und mit einem Karabinerhaken befestigt. Das andere Ende des Seils ist am Gurt von Doris Rämisch befestigt. Vom Boden aus, sorgt sie dafür, dass wir im Falle eines Absturzes abgefangen werden. Während es Nicole mit viel Schweiß bis ganz nach oben schafft, häng ich wie ein nasser Sack sprichwörtlich in den Seilen. Meine Kräfte versagen auf halber Strecke. Das sei ganz normal, beruhigt mich Doris Rämisch. Den meisten Anfängern würde es zu Beginn an Kraft in den Armen fehlen.
Davon lassen wir uns nicht abschrecken. In den nächsten Wochen wollen wir in einer Kletterhalle in Palma trainieren und uns ganz bald wieder ins Gebirge trauen.
Zeige deinen Freunden, dass dir das gefällt.
Text: Sinah Hoffmann
Bilder: Nicole Fichtner



