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Traditionspflege mit nackten Füßen

geschrieben am: Donnerstag, den 28. April 2011 um 12:25 Uhr | Kategorie: Kolumne

Sinah HoffmannIch geh gerne barfuß. Es gibt doch nichts besseres als ohne Schuhe durch den Sand zu hüpfen. Aber mit nackten Füßen und Büßerkutte über den kalten nassen Asphalt zu stampfen? Nie im Leben! Das wäre mir so fremd wie ein Gin-Tonic am Morgen.

 

Für die junge Generation auf Mallorca scheint diese Art der religiösen Selbstbestrafung nicht nur fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens zu sein, sondern auch ein echtes Privileg. An Nachwuchs mangelt es den 50 "Confrarias" - den religiösen Bruderschaften - auf der Insel nicht. Schon im Kindesalter tun die Mallorquiner einmal im Jahr Buße.

Während der Karfreitagprozession in Sineu machte ich Bekanntschaft mit dem jungen Mallorquiner Juan. Gemeinsam betrachten wir die unzähligen Büßer vorbeiziehen. In ihren Händen halten sie Plastikkerzen oder schleppen schwere Altäre mit Jesus am Kreuze. "Natürlich sind nur noch wenige junge Menschen streng religiös. Aber die Mitgliedschaft in einer Confraria und die Karfreitagprozession haben einfach Tradition bei uns. In manchen Bruderschaften sind drei Generationen einer Familie aktiv", erzählt mir der Experte. Außerdem sei es auch keine Pflicht, barfuß zu laufen. Das sei eine besondere Form der Buße, beruhigt mich Juan. Na Gott sei Dank - im wahrsten Sinne des Wortes!

Nach der Prozession schlüpfen die Jugendlichen schnell wieder aus den Kutten und treffen sich zum gemütlichen Umtrunk in der Dorfkneipe an der Ecke. Gleich fühle ich mich ihnen wieder näher. Plötzlich sind wir alle wieder junge Menschen, die sich gern mit ihren Freunden treffen und ein Bierchen trinken. Gott und Sohn Jesus sind wieder ganz weit weg. Bis zum nächsten Karfreitag.

Obwohl mir dieser Brauch so unglaublich fremd ist, finde ich es wichtig die Traditionen einer Kultur zu wahren. Ich bemale zu hause ja auch immer wieder gerne die Ostereier. Ob man Traditionen nun barfuß mit Kutte oder nur mit Farbe und Pinsel pflegt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Zeige deinen Freunden, dass dir das gefällt.

Text: Sinah Hoffmann