Zuhause ist dort, wo man verstanden wird
geschrieben am: Dienstag, den 28. September 2010 um 08:21 Uhr | Kategorie: Campusleben
Akademie-Frischling Sinah Hoffmann berichtet über erste Eindrücke, Sprachbarrieren, WG-Karnickel und neue Freundschaften. 30 Kilo Gepäck zu viel, acht Stunden Schlaf zu wenig und keinen Plan, warum die Straßen in der Realität anders heißen, als in dem Reiseführer in meiner Hand?!
Mein erster Tag in Palma ist kurz und chaotisch. Gerade noch mit meinen Mädels in Berlin den Abschied gefeiert, stehe ich keine sechs Stunden später am Plaza de la Reina und bin kurz davor meine drei Reisetaschen in den Brunnen zu feuern. Erstmal hinsetzen, einen Kaffee trinken und ankommen. Hier. In Palma. In meiner neuen Heimat.
Zwei Stunden mache ich nichts anderes, als meinen Café con leche zu schlürfen, mich in der Sonne zu räkeln und meine Umgebung mit den Blicken zu erkunden. „Und hier wirst du tatsächlich die nächsten zwei Jahre deines Lebens verbringen?“, so wirklich begreifen kann ich es noch nicht. Bei meinem anschließenden Besuch in der Uni weiß Doris Rämisch im Studentensekretariat mich zu beruhigen. Das sei völlig normal, alle neuen Studenten seien aufgeregt und es würde eine Weile dauern bis man sich heimisch fühlt.
Vielleicht geht es bei mir ein bisschen schneller mit einer riesigen Portion Schlaf. In einem kleinen Hostel in der Innenstadt miete ich mir für die nächsten Tage ein Bett im Schlafsaal, pfeffere meine Reisetaschen in die Zimmerecke und plumpse völlig erschöpft auf mein Nachtlager. Was folgt, sind 13 Stunden Black Out.
Die nächsten Tage verbringe ich ausschließlich mit Stöbern, Streunen und Staunen. Die riesige Kathedrale, der Hafen, die Strandpromenade, Pferdekutschen, Straßenkünstler, Touristen - Schwärme mit gezückten Kameras, Palmen und Paella – beim Erkunden meiner neuen Heimat fühle ich mich ein bisschen wie ein kleines Kind auf dem Jahrmarkt. Hinter jeder Straßenbiegung wartet ein anderer Platz, eine leckere Eisdiele oder ein tolles Schuhgeschäft.
Richtig heimisch fühle ich mich trotz meiner Begeisterung für diese Stadt noch nicht. Sich das Zimmer mit fremden Menschen zu teilen ist ungewohnt und manchmal echt nervig! So lässt das russische Mädel morgens um fünf die Türen knallen, der nette Typ aus Venezuela schnarcht und das Paar von nebenan klärt persönliche Differenzen am liebsten lautstark im Flur. Umso erleichterter bin ich, als die Termine für die ersten Wohnungsbesichtigungen feststehen. Meine Ansprüche sind klar: Altstadt, 300 Euro maximal, möglichst spanisch sprechende Mitbewohner. Und….Bingo! Gleich beim ersten Anlauf hab ich die perfekte WG gefunden. Vier Mädels, zwei Bäder, eine große Terrasse und Salvatore (das WG-Karnickel). Zwei meiner Mitbewohnerinnen sind aus Argentinien. Die dritte ist deutsch, heißt Kriemhild und ist ebenfalls zukünftige Studentin an der ASCENSO Business- und Medienakademie Mallorca. Wir verstehen uns auf Anhieb blendend. Mit Strandausflügen, Shoppingexzessen bei Ikea, Amtsgängen, Kochabenden und Abstecher ins bunte Nachtleben verstreichen die Tage in heiterer Eile. Auch die nähere Umgebung von unserem neuen Heim ist schnell erkundet: Supermarkt, Fitnessstudio und Bankautomat sind keine hundert Meter entfernt. Perfekt!
Ankommen, Einleben, Seele baumeln lassen - alles gut und schön, doch nach zwei fröhlichen Freidreh-Wochen packt uns langsam die Ungeduld. Zu einem richtigen Leben auf der Sonneninsel gehört eben auch ein Alltag, eine Routine. Inzwischen zählen Kriemhild und ich die Tage bis endlich die Uni anfängt. Besonders der Spanischkurs wird immer mehr zu einer elementaren Notwendigkeit. Die Sprachbarrieren zwischen den argentinischen Mitbewohnern und uns machen tiefgründige Gespräche nahezu unmöglich.
Zu Hause ist man schließlich dort, wo man verstanden wird.
Text/ Bilder: Sinah Hoffmann



